
Ein Konzeptalbum. Nicht, dass das Konzept Konzeptalbum die Neuerfindung des sprachlos machenden, welterschütternden Kunstschaffens wäre. Aber dieses: Es geht ums Boxen. Und damit um die Themen, die im Kosmos Sheehy ohnehin stets präsent sind: Kampf, Himmel, Hölle, Sünde, Sühne, Würde. Vergebung hingegen: selten. Eine tour-de-force durch menschliche Abgründe. Auch musikalisch bissiger, schartiger, abgewetzter als zuvor. Michael J. Sheehy ist ein Getriebener. Der in vielerlei Hinsicht in einer eigenen Liga spielt. Für sein sechstes Album hat Michael J. Sheehy einen Song-Zirkel geschrieben, der die Geschichte des fiktiven Preis-Boxers Francis Delaney erzählt, welcher einzig auf Gewinn und Anerkennung aus ist und dessen Leben sich entwirrt, nachdem er in den wichtigsten Boxkampf seiner Karriere eintaucht. Die Geschichte wird aus der Sicht von Delaney selbst sowie anderen Charakteren, wie zum Beispiel Box-Promotern, Börsenspekulanten und seines Kontrahenten erzählt. Sheehy ist Zeit seines Lebens ein Box-Fan und erklärt: „Als Junge habe ich in der Schule mit circa zwölf Jahren geboxt, man braucht dafür jedoch Mut, Kraft, Rücksichtslosigkeit und die Fähigkeit, ein guter Kämpfer zu sein. Traurigerweise mangelte es mir an allem.“ Sheehys Liebe zum Sport nahm nie ab und so wagte er sich sehr vorsichtig an dieses Projekt: „Die Geschichte des am Boden zerstörten, mit Problemen belasteten Boxers wurde viele Male erzählt, somit musste ich die offensichtlichen Klischees vermeiden und einen ursprünglichen Weg finden, dieses Märchen zu erzählen. Es bestand immer eine Liebe zu den ‚ewigen Vergeudern’, diesen Sportskanonen, die wissen, wie gut sie sind, aber glauben, das Spiel selbst sei wichtiger als die Preise und Auszeichnungen.“ Sheehy fährt fort: „Ich bewundere auch Sportler und Sportlerinnen, die diesen Drang haben, erfolgreich zu sein, aber die meisten von diesen Leuten haben keine interessante Geschichte.“ „With These Hands“ enthält einen vielfältigen Mix aus Gothic-Swamp, Vaudeville, Blues und Folk. Die Songs sind oft bösartig und Sheehy schreckt nicht davor zurück, einige der anstößigen Aspekte des Kampfspiels aufzugreifen, wie zum Beispiel Rassismus und Homophobie. „Diese Songs wurden für ein Musical geschrieben, das in den frühen 1960er Jahren spielt und die Box-Promoter sind die wirklichen Verbrecher“, sagt Sheehy. „Crooked-Eyed Engineer” ist aus der Perspektive eines Promoters gesungen, der sich einbildet, ein Eastend-Gangster zu sein, in Wirklichkeit aber ein zutiefst verunsicherter, unterdrückter Homosexueller ist, der Kämpfer lediglich als Futter betrachtet. „Ain’t a White Boy Alive“ (zusammen mit der fantastischen Sandy Dillon) wird aus der Sicht eines anderen verwirrten Charakters gesungen, eines amerikanischen Box-Promoters mit irischen und jüdischen Wurzeln, der gerne schwarz wäre. Wie immer zieht sich Sheehys Galgenhumor durch die ganze Platte. Es gibt auch zarte Momente, wie das schöne „Frankie My Darling” (gesungen von Gemma Ray) und eine A-Capella-Version von „Goodnight Irene“, welche unter die Haut geht. „With These Hands“ festigt Sheehys wachsende Anerkennung als begabter Geschichtenerzähler und Sänger mit einzigartiger Stimme.