
Die 11 Sound-Poems, bzw. Poetry-Tracks verdanken ihre Wirkung weniger einer zielgerichteten, sinnbildenden Absicht, sondern glücklichen Zufällen, Cut-Ups und plötzlichen Einfällen während der Behandlung des Audio-Materials. Eher als ein komponiertes Narrativ entsprechen die Tracks damit u.a. der inneren Wirklichlichkeit der Autoren Burnt Friedman und Daniel Dodd-Ellis. In Musik und Text verschmelzen über alle 11 Titel hindurch Stimmungen, Eindrücke der Sub-Sahara Konzert-Tour von B.Friedman 2013 und Fetzen von Erinnerungen an eine imaginierte Zukunft. Sie reagieren auf reale"Kpafuca" - ("things falling apart") - Zustände afrikanischer Metropolen und kollabieren zu Grooves und Phrasen, die an Chris Marker´s Sci-Fi Apokalyptik (La Jette/Sans Soleil) erinnern."Die Gefühle in ihren mannigfaltigen Versuchsanordnungen erschaffen die Landkarte unserer Handlungskontinente. Die Kontinente sind aufgrund von Überschwemmungen geschmolzen. Ihr Ausmass reduziert sich auf entfernt verwandte und unzugängliche Inseln. Jede einzelne vollkommen autark, ausgerüstet mit allen elektronischen Aggregaten." (Theo Altenberg aus: Welt Würde Ernte Tanz, Manuskript 2012) In dieser Polyphonie der Un-Orte schwingt auch der Geist reisender Klangabenteurer, zB. der musikethnologischen Praktiker Hartmut Geerken und Roman Bunka (Embryo), deren Visionen und Musik-Wirken sich gegen reduktionistische, essentialistische Inszenierungen sträubt. Gegen jene kulturellen Landkarten, die in die Musik immer wieder zwanghaft hineingezeichnet werden, setzt Friedman auf"Cease To Matter" im intuitiven Modus die befreiende Kraft des Rauschens, der Über-Mensch-Maschinen-Musik, der krummen Beats und des technischen Zufalls-Defekts, kurz: das"Un-gehör-sam" (Johannes Ismaiel-Wendt) gegenüber der normativen Deutungshoheit musikalischer Weltkarten."Die Kunst behandelt einen Raum unserer Wahrnehmung den wir nicht begreifen sollen. Die Vorgänge hinter den Augen werden von der Aufgabe entbunden auf ein Geschehen mit einer gebührenden Handlung reagieren zu müssen. Wir können uns ausnahmslos allein lassen. Uns auf die Aufnahme von etwas Unbekanntem konzentrieren. Die Komplexität der Erscheinungen im Bild verlangt nach keiner schnellen Reaktion, erwartet keine Antwort. Wir sind nicht in Gefahr. Es wird keine Prüfung vorgenommen. Alles Ungewöhnliche vor uns und in uns geschieht freiwillig, aber zwingend und fassungslos. Diese Umstände machen deutlich, warum wir diese Orte aufsuchen. Diese Blicke verbringen. Die Künstler sind die Fassungslosen, die diese Bilder malen, die Skulpturen aus dem Material schälen und Räume des Unbegreiflichen inszenieren. In denen wir uns erschaffen und/oder verlieren. Denn das Werk spricht, da es das Atelier/die Werkstatt verlassen hat und uns gegenüber tritt, seinen eigenartigen unberechenbaren Dialog mit dem Betrachter." (Theo Altenberg aus: Welt Würde Ernte Tanz, Manuskript 2012) Theo Altenberg lebt in Berlin und arbeitet in den Medien Performance/Musik, Sprache, Malerei und Video. Die Stimme des aus Texas stammenden in Berlin lebenden Performers und Vokalisten Daniel Dodd-Ellis wirkte bereits 2007 auf Burnt Friedman´s Album"First Night Forever" (non22). Die Lyrics stammen von beiden Autoren und wurden von Friedmann während der Produktionsvorgänge 2013 bis 2014 mehrfach zerlegt und neu zusammengesetzt.